Flüchtlingskinder – Begleitung kann helfen

Für 2016 rechnet der Landkreis Leipzig mit etwa 80 - 100 Kindern und Jugendlichen, die entweder ohne Eltern auf der Flucht sind, oder diese unterwegs verloren haben. Für diese sog.
unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist bis zur Volljährigkeit das Jugendamt als Vormund zuständig und hat die Unterbringung und Versorgung zu organisieren. Die  minderjährigen Flüchtlinge sind i.d.R. vorwiegend im Alter von 15 - 17 Jahren, männlich und stammen meist aus Ländern, in denen Gewalt und Bürgerkrieg vorherrscht. Oft haben sie sich  mehrere Monate über viele Kilometer alleine durchgeschlagen und auch Traumatisierendes erlebt. Hier angekommen, wird die erste Station eine Facheinrichtung sein, in der die Jungen und Mädchen zunächst zur Ruhe kommen und gleichzeitig nach Angehörigen gesucht wird. In dieser Zeit können auch Kontakte zu Einheimischen eine hilfreiche und stabilisierende Rolle spielen.

Einige Interessierte haben sich bereits beim Jugendamt gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Um eine realistische Einschätzung zu ermöglichen, möchten wir auf die Besonderheiten einer solchen Begleitung in einer Patenschaft hinweisen. Flüchtlingspaten haben es mit jungen, pubertierenden Menschen zu tun, die teilweise schwer traumatisiert sind weil sie z.B. miterleben mussten, wie Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn starben. Sie haben oft lange Wege alleine meistern müssen und sind teilweise nicht mehr in der Lage oder willens, sich eng an Menschen anzuschließen und sich von ihnen leiten zu lassen. Ein großes Thema sind Sprachbarrieren und die unterschiedlichen Kulturen. Der Wunsch den Jugendlichen zu helfen ist zwar die Grundlage für ein Engagement für als Familienpatin oder -pate. Es braucht aber auch sprachliche und kulturelle Kompetenzen und die Fähigkeit mit psychischen Belastungen umzugehen. Es ist daher wichtig, diese ganz besondere Situation und ihre Auswirkungen im Umgang mit den jungen Menschen zu verinnerlichen, um eine Patenschaft so zu gestalten, dass diese fruchtbringend ist. Sicherlich fällt es den jungen Menschen leichter sich in einer fremden Kultur zurechtzufinden, eine neue Sprache zu lernen sowie schulischen und gesellschaftlichen Anschluss zu finden, wenn sie dabei ganz individuell betreut werden. Im Gegenzug ist es für interessierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger auch eine bereichernde Erfahrung, einen jungen Menschen ein Stück seines Weges zu begleiten, wenn die Erwartungen und Möglichkeiten der Patenschaft realistisch eingeschätzt werden.

Wie in anderen Fällen, in denen Kinder und Jugendliche nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, sich auch Pflegeeltern für minderjährige Flüchtlinge eine Chance in einer Familienstruktur aufzuwachsen. Das Prüfverfahren, in dem das örtlich zuständige Jugendamt die Eignung einer Familie bzw. von aufnehmenden Personen bestätigen muss, gilt auch bei den minderjährigen Flüchtlingen.

Wer sich für eine Patenschaft oder für ein Pflegekind interessiert, meldet sich bitte bei:

Daniela Malke
Sachgebietsleiterin Besondere Soziale Dienste
Tel.: 034347 984 2330
E-Mail: daniela [pünktchen] malkeatlk-l [pünktchen] de

Barbara Mergner
Stellv. Jugendamtsleiterin