Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“

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Presseinformation 08.09.2017

Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe sind im Herbst besonders wichtig

Im Spätsommer und Herbst ist vermehrt auf einen guten Herdenschutz zu achten, da es hier erfahrungsgemäß vermehrt zu Übergriffen auf Nutztiere kommt. Dieses saisonale Muster, ist aus Deutschland und anderen europäischen Wolfsgebieten bekannt.

Tierhalter, die ihre Schafe und Ziegen nicht über Nacht einstallen können, sollten gerade jetzt ihre Schutzmaßnahmen überprüfen bzw. Schwachstellen zeitnah beseitigen, um Verluste von Nutztieren durch Wölfe möglichst zu verhindern.

Die Umzäunungen dürfen keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und alle Seiten der Koppeln müssen geschlossen sein – über offene Gräben oder Gewässer können Wölfe leicht eindringen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen.

Stromführende Zäune mit einer Höhe von 100 cm bis 120 cm bieten einen wirksamen Schutz, da ein schmerzhafter Stromschlag den Wolf in der Regel abschreckt. Sowohl Netzzäune als auch stromführende Litzenzäune (mit mindestens fünf Litzen) sind geeignet. Bei den Elektrozäunen ist auf eine ausreichende Spannung (mind. 2.500 V) und eine gute Erdung zu achten. Die Zäune müssen gut gespannt sein, sodass sie die empfohlene Höhe auf der gesamten Koppellänge aufweisen und keine Möglichkeiten zum leichten Einspringen an durchhängenden Stellen bieten.

Im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels sind Schaf- und Ziegenhalter weiterhin dazu aufgerufen, einen Elektrozaun in Kombination mit einem „Flatterband" (Breitbandlitze) zu verwenden, da sich dies als effektive Maßnahme gegen das Überspringen bewährt hat. Das „Flatterband" ist eine i.d.R. nicht stromführende Breitbandlitze, die ca. 20 - 30 cm über dem Elektrozaun angebracht wird, so dass sie frei in der Luft hängt (s. Foto). Der Zaun wird dadurch optisch erhöht und dem Wolf wird es erschwert, die Höhe des Hindernisses abzuschätzen. Größere Schäfereibetriebe können alternativ zum „Flatterband" auch Herdenschutzhunde einsetzen.

Als Tierhalter im Territorium des Rosenthaler Wolfsrudels können Sie das benötigte Material (Breitbandlitze, Weidepfähle) auch in diesem Jahr wieder kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausleihen (Kontakt: siehe unten).

Diese zusätzliche Schutzmaßnahme ist im Gebiet des Rosenthaler Territoriums voraussichtlich bis Ende Dezember 2017 notwendig. Über eine Verlängerung dieses Zeitraumes wird zeitnah informiert. Das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen" ist die offizielle Informationsstelle zum Thema Wolf vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), in Trägerschaft des Landratsamtes Görlitz.

Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen

 

Foto: Ein stromführender Netzzaun mit einer als „Flatterband" funktionierenden Breitbandlitze.